Interviews

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Interviewer: Peter von ABLAZE MAG

1. Welche Gedanken und Gefühle bewegten Euch, als Ihr, Tanya (b), Robert (g), Kai (g), Holger (voc), Robin (dr), im Sommer 1992 Eure erste Band CATALEPSY ins Leben rieft? Versuchtet Ihr jemanden nachzueifern? Hattet Ihr eine Vision von Eurer Zukunft als Musiker?

Holger: Es ging uns zuerst darum Musik zu machen, die wir auch gerne hörten, allem voran waren damals Cannibal Corpse, Sepultura, Entombed und Konsorten die absoluten Faves. Großartig über die Zukunft als Musiker wurde da nicht nachgedacht; es sollte nur ein Hobby sein. Hauptsache Death Metal machen können und lärmen!

2. Welcher Art psychische Probleme waren das, die Euren Drummer nach 9 Monaten zum Ausstieg zwangen? Habt Ihr später noch mit ihm in Verbindung gestanden? Brachten Euch die Geschehnisse um ihn zum Nachdenken?

Holger: Tja soweit ich mich erinnern kann, hatte er eine Nervenkrankheit bekommen, die Ihn dann auch zwang monatelang in einer Nervenklinik zu verbringen. Da auch keine Heilung zu erwarten war, mußten wir uns von Ihm trennen und die Band zuerst auf Eis legen. Natürlich wird man etwas nachdenklich, wie schnell einem was so schlimmes widerfahren kann. Aber da er nicht zum engen Freundeskreis von uns gehörte, wurde der Kontakt auch schnell abgebrochen, so daß wir heutzutage nicht wissen was mit Ihm los ist.

3. Wie habt Ihr die Zeit ohne einen Mann an der Schießbude überbrückt?

Holger: So zu sagen gar nicht! Es gab zuerst keine Band mehr, und der tägliche Alltag bestand darin abends seine Bierschen zu zischen und tagsüber zu arbeiten.

4. Woher kam der neue Drummer, den Ihr im Oktober 1993 in Eurem Kreis begrüßen konntet, und wie hieß er? War er der erste Schlagzeuger, der sich anbot, oder hattet Ihr davor schon ein paar andere ausprobiert? Weshalb wart Ihr schließlich davon überzeugt, dass er die richtige Verstärkung sei?

Holger: Rolf, der neue Schlagzeuger, meldete sich auf eine Anzeige, die unser Gitarrist Robert eingeschaltet hatte. Andere Prügler gab es nicht die wir testen konnten, so daß wir es mit Ihm nochmals probieren wollten. Der Rolf kam aus Geilenkirchen, ca 30 Km von Aachen entfernt. Wie gesagt eine andere Alternative gab es zu der Zeit nicht und so waren wir froh endlich wieder weiter lärmen zu können.

5. Warum habt Ihr Euch überhaupt in KADATH umbenannt? Gab es dafür irgendeinen zwingenden Grund? Wieso hatte sich Holger ausgerechnet von einem BLOOD-Song zu diesem Namen inspirieren lassen? Wie hieß denn das 3. Album von Eisen & Co.?

Marc: also der Grund für die Umbenennung ist einfach der, daß es damals noch eine andere Band gab, die sich CATALEPSY nannte. Und um einen eigenständigen Namen zu haben, fand Holger das Wort KADATH passend für die Band. Alle waren einverstanden mit dem Vorschlag, und so nennen wir uns bis heute KADATH. Daß Holger auf der Blood-LP diesen Titel fand, war eher Zufall. Die LP hieß übrigens O Agios Pethane.

6. Welche Bedeutung steckt hinter dem neuen Bandnamen? Wurde auch gleich ein richtiges Logo angefertigt oder war das erstmal zweitrangig? Wer hat denn den noch heute gültigen Schriftzug entworfen?

Marc: die oft gestellte Frage. Was bedeutet KADATH? Also das Wort Kadath stammt aus dem Roman "Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath" von H.P. Lovecraft, der 1939, 2 Jahre nach seinem Tod, erschien. Es geht um eine Suche nach einer legendären Stadt. In seinen Träumen, findet der Protagonist Randolph Carter am Ende seiner Suche den mythischen Berg Kadath, auf dem einst Götter in einem Onyx-Tempel gewohnt haben, aber von dort spurlos verschwunden sind.

Was das Logo anbelangt fertigte Robert einen ersten Entwurf, der später von mir und dann nochmals später von einem amerikanischen Comic-Künstlerfreund Greg Moore überarbeitet wurde. Wir wollten halt kein komplett neues Logo, sondern eine verbesserte Version des Ursprunglogos, daher diese mehrfache Überarbeitung. Das ist bis heute das gültige Logo.

7. Aus welchem Grund verließ Euch Tanya im November '93 und was machte sie danach? Woher kam Marc und weshalb fiel die Wahl auf ihn? Warum verging zwischen Tanyas Ausstieg und dem Dazustoßen von Marc nur sehr wenig Zeit?

Holger: Tanya verlies die Band, weil sie keine große Lust mehr hatte und auch nicht mehr zu den Proben erschien. Sie spielte später eine Zeit lang bei PUNISHED EARTH aus Belgien. Heutzutage wissen wir nicht was sie so treibt. Da Holger und Kai mit dem Marc gut befreundet waren und er kurz davor mit seinem Projekt FOETUS aufgegeben hatte (da noch an der Gitarre), fragten wir Ihn ob er Lust hätte an Tanya's Stelle einzusteigen. Und so wurde der Basspart innerhalb von 2 - 3 Wochen von Marc übernommen.

8. Wie ist Euch Eurer erster Gig im Februar 1994 in Aachen zusammen mit der örtlichen Punkband ZSK-5 in Erinnerung geblieben? Welche Lehren habt Ihr aus diesem Auftritt gezogen und in Zukunft weitestgehend berücksichtigt?

Marc: Da es wie gesagt der erste Auftritt war, ist dieser natürlich mit sehr schönen Erinnerungen verbunden. Die ZSK-5, mit denen wir gut befreundet waren und auch heute noch sind (zumindest Holger und ich) hatten es uns ermöglicht vor 60 - 70 Leute aufzutreten, was für uns damals das Größte war. Die Reaktionen waren so gut, daß wir überzeugt waren auf den richtigen Weg zu sein und weitere Konzerte an Land ziehen zu wollen um auc.

9. Worauf führt Ihr zurück, dass Ihr in der relativ kurzen Zeit zwischen der Neuformierung als KADATH und April 1994 die erstaunliche Zahl von 8 Songs kreieren konntet, welche dann auf Eurem 1. Demo "Face Your Death" verewigt wurden? Wurde das Tape in Eurem Proberaum aufgenommen und wie war die Qualität? Seid Ihr selbst erstaunt, dass Ihr 400 Stck. von diesem noch gar nicht so perfekten Teil absetzen konnet?

Marc: nun die 8 Stücke stammten nicht alle seit der Neugründung und Neufirmierung in KADATH. Ich glaube 4 Stücke gab es schon zu Catalepsy-Zeiten, die auch ins Programm übernommen wurden. Und 1 Stück stammte von meiner alten Band FOETUS. Daher ging es relativ flott bis wir entschieden mit 8 Songs ein Demo aufzunehmen. Aufnahmetechnisch war das folgendermassen: das Schlagzeug wurde im Proberaum aufgenommen und der Rest bei unserem Freund Frechi, der damals ein 4-Spur-Gerät besaß und am Rande vermerkt selber Death Metal-Mucke machte. Das ganze wurde dann bei Ihm gemixt und so entstand das "Face your Death"-Demo. Sehr primitive Verhältnisse würde ich sagen! Ja daß 400 Stück davon weggegangen sind, ist aus heutiger Sicht wirklich erstaunlich. Wir waren mit der Qualität relativ zufrieden, da wir es besser nicht wußten.

10. Was passierte in der Zeit zwischen April 1994 und April 1995, als Ihr "Into The Eternal Depths Of Sorrow And Desolation" aufnahmt? Hattet Ihr das Gefühl, dass Ihr mit Eurer Band auf dem richtigen Weg seid?

Marc: durch Aufbauen von Kontakten im Underground bekamen wir die Gelegenheit mit diversen Bands wie ASMODINA, INQUISITOR, GUTWRENCH, DAWN und Argentinien's VIBRION zu spielen. Die 2 Gigs mit VIBRION waren nur deshalb möglich geworden, weil ich den Fred, Sänger von RISING NATION, schon seit Jahren kannte. Und deren Bassist, Frosch, hatte sich kurz vorher auf der Arbeit mit einer Säge in die Hand geschnitten, so daß Fred mich fragte ob wir für sie einspringen könnten. Das war natürlich ein Glückstreffer für uns. Außerdem waren wir auch damit beschäftigt neue Songs für ein 2. Demo zu schreiben. Ja die ersten Erfolge mit dem Demo und den Konzerten war auf jeden Fall Zeichen genug in die eingeschlagene Richtung weiter zu machen.

11. Unter welchen Bedingungen wurde Euer 2. Demo eingespielt und wie kann es soundmäßig und stilistisch charakterisiert werden? Weshalb waren es überhaupt diesmal nur 4 Songs, obwohl doch eigentlich das Bandgefüge über die Zeit stabil blieb? Hattet Ihr Motivationsprobleme? Wie konntet Ihr eine Auflage von 900 Stck. realisieren und absetzen?

Marc: das 2. Demo wurde in einem kleinen Studio - eigentlich war es eine Art Scheune die in ein Studio umgewandet wurde, aufgenommen. Der Produzent hatte da ein 8-Spur-Gerät, das etwas mehr Möglichkeiten bot als noch auf dem Erstling. Wo wir die ersten Resultate im Studio hörten waren wir total begeistert, aber leider war dieser Eindruck verflogen wie wir die Demos in die Hände hielten und hören konnten. Es war ja nicht schlecht, aber der brachiale Sound, wie wir ihn uns vorgestellt hatten, war weg. Stilistisch gesehen, bewegten wir uns immer weiter weg von den Thrash-Einflüssen und dafür kamen immer mehr Grind-Elemente rein. Das mit den 4 Stücken lag überhaupt nicht an irgendwelchen Motivationsprobleme, wir waren und sind heute noch etwas lahmarschig beim Komponieren von neuem Material.

Mit den 900 abgesetzten Exemplare des neuen Demos ist es so zu erklären. Wir hatten immer mehr Kontakte mit anderen Underground-Fanatiker und konnten somit sehr viel tauschen und auf Provisionsbasis verkaufen. Anders ging es damals nicht!

12. Wann und auf welche Weise kam es zum Kontakt mit dem als betrügerisch verschrienen Yankee von WILD RAGS? Warum und zu welchen Konditionen erteiltet Ihr dem Ami-Label die Lizenz, um weitere 600 Stck. rauszubringen? War diese Auflage anders gestaltet als die von Euch selbst editierte?

Marc: Mit dem Richard von Wild Rags war Holger schon in Kontakt - hatte auch bei Ihm diverses Zeug bestellt, und eines Tages fragte er uns ob er das 2. Demo in USA unter Lizenz herausbringen könnte. Von seinem schlechten Ruf wußten wir zwar damals schon, aber nicht alle Leute die wir kannten, waren der Meinung daß der Richard ein Betrüger ist. Also gaben wir Ihm unser OK. Letzten Endes war es für uns kein prickelndes Geschäft. Hauptsache in USA konnten Death Metal Freaks auf uns aufmerksam werden. Die Gestaltung war übrigens dieselbe wie unsere Originale bis auf der Tatsache, daß auf den Kassetten das Wild Rags - Logo drauf stand.

13. Welche schwerwiegenden Gründe führten dazu, dass Gründungsmitglied und Gitarrist Robert direkt nach den Aufnahmen für "Into The Eternal Depths Of Sorrow And Desolation" gefeuert wurde? Was genau lag an, das von seiten der Band seine Mitwirkung bei KADATH nicht mehr gewünscht war? Wohin ging er und was machte er in der Folgezeit?

Marc: ja der Robert. Also es war schon so daß er immer Märchen- um nicht zu sagen Lügengeschichten verbreitete. Wie wir dann bei den Aufnahmen vom 2. Demo am Werke waren und es langsam aber sicher zum Ende ging und wir dann die Aufnahmekosten bezahlen mußten, kam er nicht mit seinem Anteil raus. Da haben wir ihm klar gemacht, daß wenn er am nächsten Tag nicht mit der Kohle rüber kommt, dann passiert was. Und so kam es auch, daß er kein Geld dabei hatte, mit einer faulen Ausrede sich rausreden wollte und da haben wir ihm gesagt, er könne sich verpissen. Danach haben wir nie mehr was mit ihm zu tun gehabt. Ich weiß nur daß er danach noch kurz bei einer anderen Band mitgespielt hat und anschließend haben wir nie mehr was von ihm gehört!

14. Woher kam im Juli 1995 Marcus "Mockel"? Und weshalb konnte mit ihm so schnell ein Ersatz für Robert gefunden werden? Wieso eigentlich musste ein zweiter Gitarrist hinzugezogen werden, da doch auch eine Viererbesetzung möglich gewesen wäre?

Marc: Mockel hatte ich über einen guten Freund, Andi mit dem ich das FOETUS-Projekt vor KADATH gemacht hatte, kennengelernt. Parallel hatte Holger ihn über die Arbeit gesichtet. Und er war auch derjenige der Mockel gefragt hat, ob er Lust hätte bei uns einzusteigen. Der hat direkt zugesagt und so waren wir wieder zu fünft. Natürlich hätten wir auch als Quartett weitergemacht, aber wieso hätten wir nein sagen sollen, wenn jemand so verrückt ist mit uns spielen zu wollen!!

15. Welcher Art waren die persönlichen Probleme, wegen derer Euer Drummer im November '95 ausstieg? Kam dies für Euch überraschend und hattet Ihr versucht, ihn zu halten? Was wurde aus ihm, nachdem er KADATH verließ?

Marc: Rolf, noch so ein wunder Punkt in unserer Band. Am Anfang lief ja alles super mit ihm, auch wenn er sehr merkwürdige Ansichten hatte. Nur irgendwann find er an Antipathien dem Holger und dem Kai gegenüber zu entwickeln, daß er eines guten Morgens entschied auszusteigen. Leider auf einer sehr beschissenen Art (wir fanden einen Zettel im Proberaum, daß er ab sofort nichts mehr mit uns zu tun haben wollte). Außerdem nahm er einige Sachen mit, die ihm gar nicht gehörten. Da war natürlich Streit vorprogrammiert und dieser gipfelte in einer Anklage und Gegenanklage die später wieder beidseitig fallengelassen wurden. Danach hat er noch bei einer Hardcore-Punkband mitgespielt und auch wenn wir ihn auf Konzerten trafen, war von ihm totales Ignorieren angesagt. Ziemlich paranoid, würde ich sagen.

16. Wie wurdet Ihr auf Erling, der immerhin aus Belgien stammt, aufmerksam? Kanntet Ihr ihn von einer anderen Band oder wurde er Euch bei der Suche empfohlen? Über welchen Zeitraum zog es sich hin, Erling zu kontakten und in ein paar Proben auszusetzen, um ihn schließlich im April 1996 als neuen Drummer fix zu engagieren?

Marc: unser Erling. Also den kannte ich schon bevor ich selber mit Kadath anfing. Da ich bekannterweise auch aus Belgien komme, traf ich ihn ab und zu auf Konzerten. Und da ich wußte daß er Schlagzeug spielte, kam ich auf die brillante Idee ihn doch mal zu kontaktieren. Zuvor hatten wir noch 2 andere Drummer getestet, die aber beide nicht geeignet waren. Zurück zu Erling. Ihn zu erreichen war gar nicht so leicht, da ich keine Telefonnummer von ihm hatte und auch seinen Nachnahmen nicht wußte. Zum Glück hatte ich da ein paar Kumpel die ihn auch kannten, und so wurde ich fündig und konnte den Erling nach seinem Interesse fragen. Er war einverstanden und nach 3 - 4 Proben war die Sache in den Kasten.

17. Weshalb stellte Euch die Zeit zwischen April 1995 und April 1996 auf eine besondere Probe, so dass Ihr sie selbst als "turbulente Phase" bezeichnet, wo Ihr doch auch schon die Jahre davor nicht mit gerade wenigen Problemen zu kämpfen hattet? Immerhin entstanden in jemem Jahr doch auch wieder 3 Songs... (in der Bio steht zwar etwas von 4 Stücken, die zusammenkamen, doch ist eine Coverversion nicht unbedingt als eigener Track zu werten)

Marc: zugegeben, aber 2 Leute zu verlieren, die uns so viele Strapazen verursacht haben, und 2 neue in die Band zu integrieren, kann man schon als turbulent bezeichnen. Aber wie ihr noch erfahren werdet, hörten die Probleme da ja nicht auf. Außerdem hatte es ja 5 Monate gedauert, bevor wir endlich wieder loslegen konnten. Daß in der Periode doch noch 3 neue Stücke entstanden, ist schon erstaunlich, auch wenn es nicht viel war. Wir wollten ja damals mehr machen, aber dafür ging alles viel zu langsam voran. Also beschlossen wir mit diesen 3 Stücken + Terrorizer-Coverversion eine Promo-Kassette aufzunehmen, in der Hoffnung Aufmerksamkeit bei Labels zu wecken.

18. Mit welchen Wünschen, Hoffnungen und Vorstellungen gingt Ihr daran, im September 1996 Eure 3 Songs + das TERRORIZER-Cover für ein Promo-Tape aufzunehmen? Wie kann man sich die technischen und logistischen Bedingungen vorstellen, die im Soundmix Studio, Bunker Aachen herrschten, vorstellen?

Marc: wie gesagt, unser Ziel war es ein Plattenlabel zu finden, das mit uns zusammenarbeiten würde. Und da wir viele Labels kannten, wurde eine Großaktion daraus gestartet. Die Aufnahmebedingungen waren bis dahin die Besten die wir jemals hatten, da der Floh vom Soundmix Studio auch ein richtiges Studio besaß mit 16 Spur Analog-Mischpult. Die Bedingungen waren aus damaliger Sicht sehr gut, wenn auch nicht perfekt. Mit dem Sound waren wir recht zufrieden, obwohl wir uns doch etwas mehr vom Mastering versprochen hatten.

19. Wodurch konntet Ihr 250 Stück von Eurem neuen Opus absetzen, welches doch eigentlich zunächst als Promo gedacht war? Frustrierte es Euch, dass zwar wieder viel positiver Zuspruch zu verzeichnen war, aber dennoch kein Label nachhaltig Interesse bekundete? Worauf basierte diese Zurückhaltung Eurer Meinung nach?

Marc: also die 250 Exemplare des Promos wurden ja nicht abgesetzt, sonder wirklich um sonst an sämtliche Labels und auch Magazine verschickt. Leider kam kein richtiges Interesse, abgesehen von 2 - 3 Labels, die uns völlig beknackste Deals offerieren wollten. Da war die Frustration wirklich sehr groß. Es kamen Selbstzweifel, ob wir auch die richtige Musik machen würden. Klar waren wir geschmeichelt über die positiven Resonanzen, aber ohne das eigentliche Ziel zu erreichen, war die ganze Aktion sinnlos. Und das war schwer zu verkraften. Wieso nichts draus wurde, können wir schwer sagen. Wenn man die Death Metal-Szene generell betrachtet, war diese Musik um diese Zeit auf den absteigenden Ast und Black Metal groß im Kommen.

20. Weshalb schmiss Kai im Oktober 1996 das Handtuch? Konnte er es nicht verwinden, dass Ihr Euch immer den Arsch aufreißen musstet ohne wirklich zählbaren Fortschritt? Wart Ihr überrascht und enttäuscht von seinem Ausstieg oder hatte sich dieser ohnehin bereits abgezeichnet und wie? Seid Ihr mit Kai noch in Kontakt und wie verlief sein weiterer Werdegang?

Marc: der Austieg von Kai hatte nichts mit unserer schweren Lage zu tun. Eher damit das alle anderen in der Band immer extremere und schnellere Musik machen wollte und Kai nicht. So entwickelte er sich doch sehr stark zu einer Bremse für die Band. Außerdem waren Erling, Mockel und ich sehr durchgeknallt zu der Zeit, nahmen andauernd Drogen auf Konzerten, besoffen uns und bauten viel Scheiße. Das wurde dem Kai zu bunt, so daß er irgendwann beschloß uns zu verlassen. Hier war die Trennung aber in guten Dingen verlaufen. Nein, überrascht waren wir nicht, da die Kluft immer größer wurde und im Endeffekt die Trennung die beste Lösung war. Ja wir haben über die Jahre immer Kontakt zu Ihm gehabt, mal spärlicher mal intensiver. Aber seit seinem Weggang, hat Kai nie mehr in einer anderen Band gespielt. Mittlerweile lebt er mit seiner Freundin in Ludwigshafen.

21. Seid Ihr auch der Meinung, dass 1997 als Euer bis dahin mit Abstand erfolgreichstes Jahr bezeichnet werden kann? Wie habt Ihr damals selbst diese Zeit empfunden? Ergab sich Euer Auftritt beim legendären 1. Fuck The Commerce auf der Grundlage Eures Promos von '96? Könnte man den FTC-Gig als maßgeblichen Impuls für Eure weitere starke Nachfrage als Live-Act bezeichnen?

Marc: oh ja, 1997 und 1998 waren wirklich sehr gute Jahre für die Band. Wir hatten viele Gelegenheiten live aufzutreten, insbesondere auf dem 1. Fuck The Commerce - Festival, aber auch mit Bands wie ORTH, MASTIC SCUM, DEAD INFECTION, KRISIUN, BLOCKHEADS, HEMDALE & EXHUMED. Jens, der Gründer von FTC, hatten wir schon vorher kennengelernt und er hatte uns zuvor schon mal in Rathenow eingeladen. Und daraus ergab sich, daß er uns auch für FTC wieder einlud. Ob FTC ein Impuls war, kann ich nicht sagen, aber vielleicht ist ja was dran!! Auf jeden Fall, waren wir schnell bekannt als chaotischer Haufen mit sehr viel Humor.

22. Wann und wie genau ergab sich 1997 die Zusammenarbeit mit STUHLGANG Rec., die zu Eurer Split 7"-EP mit IMMURED führte, und PARANOIA SYNDROMES, die Eure Split 7"-EP mit EVOKED realisierten? Welche Titel wurden auf den jeweiligen Scheibletten verbraten? War die Gestaltung und sonstige Umsetzung nach Eurem Gusto? Seid Ihr mit den Stck.-zahlen von 500 bzw. 700 zufrieden? Konntet Ihr etwas Geld aus diesen Releases ziehen?

Marc: mit dem Frank von Stuhlgang Records war damals Holger in Kontakt und mit Steve von Paranoia Syndromes (der übrigens auch bei MAGGOTS spielte) war ich am Ball. Der Frank lud uns damals im Juni auf ein Konzert mit Krisiun in Würzburg ein. Und da er wußte daß wir Terrorizer gecovert hatten, war es Grund genug uns auf eine Split-EP mitzunehmen. Bei P.S. war der Kontakt so gut damals, daß der Steve uns ebenfalls für eine Split-EP haben wollte. Bei der 1. EP benutzten wir die Stücke "Abusing the Innocents" und "Corporation Pull-In". Und bei der 2. EP das Stück "Disturbance in my nocturnal domain". Ja die Gestaltung unserer Seite kam von uns, so daß wir damit absolut zufrieden waren. Und die Stückzahlen waren auch völlig in Ordnung. Ein klein wenig Geld kam dann durch die uns von den Labels gegebenen EP's auch raus. Diese EP's waren für uns sehr wichtig, da zu der Zeit 7" noch was besonderes waren.

23. Wieso schlug euch plötzlich im November 1997 das Gewissen, Euer Material vom Promo noch einmal auf CD zu veröffentlichen, um es vor dem "Verlust", wie es in Eurer Bio heißt, zu bewahren? Woher kam Euer Optimismus, dass Ihr von dem Teil noch gut 1000 Stck. verklickern könntet? Hattet Ihr nicht das Bedürfnis, neue Songs aufzunehmen?

Marc: um es richtig zu stellen. Uns kam nicht plötzlich im November 97 die Idee aus dem Promo eine MCD rauszubringen, nachdem schon die EP's raus waren. Nein, die Idee mit der MCD stammte schon viel früher, nämlich kurz nachdem uns Kai verlassen hatte. Leider hat es sehr lange gedauert bis wir auch soweit waren. Erstens habe ich lange gebraucht um das Cover fertig zu stellen und wir mußten zuerst wieder Geld zusammentrommeln um die CD's überhaupt finanzieren zu können. Und da kamen auf einmal die 2 obengenannten Freaks, die die EP's mit uns machen wollten. Wir beschlossen trotzdem die MCD rauszubringen, da wir der Meinung waren daß CD's (schon zu jener Zeiten) besser für die Verbreitung unters Todesblei-Volk waren als Vinyl. Und wir behielten recht. Also für mich war es die richtige Entscheidung.

24. Hattet Ihr 1998 das Gefühl, das Mucken ist Euer Leben, da Ihr doch sehr häufig unterwegs wart? Was machte Euch die vielen Gigs schmackhaft und was wurde mehr und mehr zur Belastung?

Marc: daß Mucke unser Leben sei, ist vielleicht etwas übertrieben. Aber das Musik machen ein fester Bestandteil unseres Lebens darstellt, das ist 100%-ig zutreffend. Außerdem ist ja der Sinn einer Band (insbesondere Metal band) immer wieder live aufzutreten und enormen Spaß dabei zu haben. Geile Weiber und reichlich Bier sind ja auch nicht zu verachten!!! Von Belastung ist nicht die Rede.

25. Betrachtet Ihr im nachhinein die Arbeiten zu Eurer im November 1998 eingespielten 1. full-length CD namens "Cruel!" als weiteren wichtigen Höhepunkt? Woher kam das Geld für diese tolle Produktion mit Andy Classen? Wie kam es zur Zusammenarbeit mit TEUTONIC EXISTENCE und zu welchen Konditionen? Herrschte bei Euch eine gewisse Euphorie, als die Platte im Februar 1999 mit einer 2000er Auflage erschien?

Marc: Die Aufnahmen zu "CRUEL!" bei Andy Classen stellten meiner Meinung nach der erste wirkliche Höhepunkt der Band dar. Wir kannten den Andy ja von Holy Moses (die ebenfalls aus Aachen stammten) und wußten daß er ein richtiger Profi ist. Und haben ihn dort als total super Kerl kennengelernt. Das Geld für die CD'S haben wir uns hart gespart, unter anderem durch den Verkauf der MCD's und durch Führung einer Bandkasse in der wir jeden Monat Geld reintaten.

Den Kees von Teutonic Existence hatten wir schon vorher kennengelernt und er hatte auch für uns im Dezember 97 ein Konzert mit Hemdale und Exhumed in Rotterdam organisiert. Er und Jens von Cudgel Agency wollten die CD rausbringen und wir entschieden uns für Teutonic. Die erste Auflage betrug 1000 Exemplare und weitere 1000 folgten. Ja, absolut, es war ein hervoragendes Gefühl endlich mit einem Produkt anzukommen, von dem wir richtig überzeugt waren und auch noch heute sind.

26. Was ereignete sich in der Folge der Veröffentlichung von "Cruel!"? Weshalb gestalteten sich die nächsten anderthalb bis zwei Jahre derart schwierig? Gab es Auflöseerscheinungen in der Band? Wie gelang es Euch, diese problematische Zeit zu überstehen? Welches Resümee zieht Ihr daraus?

Marc: Schon vor den Aufnahmen von "CRUEL!" wurde die Situation in der Band immer schwieriger. Bedingt durch private Probleme (Scheidung beim Mockel, neuer Job und Umzug bei mir), fielen immer mehr Proben aus, Konzerte wurden nicht wahrgenommen und die Stimmung in der Band wurde immer schlechter. Die Motivation fiel in den Keller, so daß wir wirklich mit dem Gedanken am spielen waren die Band aufzulösen. Viele Leute waren sogar im Nachhinein der Meinung wir hätten uns schon längst aufgelöst!! Ich glaube wir sind aus diesem Loch rausgekommen weil einerseits Gesuz bei uns einstieg und frischen Wind in die Band brachte und andererseits weil wir einfach nicht aufgeben wollten.

27. Warum stieg einerseits Gesuz von MENTAL ABERRATION im Sommer 2000 bei KADATH ein und Mockel andererseits fast zur selben Zeit aus? Was waren die jeweiligen Beweggründe der beiden für ihr Handeln? Hattet Ihr nach dem Ausstieg von Mockel weiterhin Kontakt zu ihm?

Marc: Gesuz kenne ich mittlerweile schon seit einigen Jahren. Kurz bevor er bei uns einstieg, ging seine Band MENTAL ABERRATION in die Brüche. Und er wollte halt weiterhin Musik machen. In der Zeit wo er bei uns anfing, fand er auch neue Leute um M.A. zum Leben wiedererwecken und so machte er ein Jahr lang beides, bis M.A. definitiv für tot erklärt wurde. Wie gesagt, beim Mockel waren die privaten Schwierigkeiten so enorm geworden, daß er und wir es für besser hielten daß er mit der Band aufhört. Das geschah in beidseitigem Einverständnis. Natürlich hatten wir mit Mockel immer noch Kontakt, da er ja weiterhin ein guter Freund von uns blieb.

28. Ab wann liefen die Vorbereitungen für die Aufnahmen der 2. CD "Chasing The Devil" im August 2001? Zog sich das Songwriting über eine längere Zeit hin oder war es eher eine konzentrierte Aktion?

Marc: die ersten 2 Stücke für die neue CD wurden schon 1999 mit Mockel geschrieben. Aber wir kamen mangels regelmäßigem Proben nicht aus den Füßen. Das 2. Stück konnte auch erst nach dem Weggang von Mockel mit Gesuz komplettiert werden. Die eigentlichen Vorbereitungen auf die Aufnahmen fingen so im Juni an. Wie aus dem obigen hervorgeht, zog sich das Songwriting über 2 Jahre hin, wobei auch die Stücke vom Anfang sich stilistisch etwas von den anderen unterscheiden, weil ja 2 Gitarristen mit unterschiedlichen Spielideen die Art der Songs geprägt haben.

29. Bitte erzählt etwas mehr zum Track "False Confession", der nämlich als Soundbeispiel auf der ABLAZE-CD erklingen wird! Wie lange habt Ihr an dem Stück gearbeitet und wie habt Ihr die einzelnen Teile erarbeitet und zusammengefügt? Was zeichnet diesen Song besonders aus und macht ihn zu einem typischen Vertreter des neuen KADATH-Materials? Und worum dreht sich der Text?

Marc: "False Confession" ist das Bindestück zwischen Mockel und Gesuz. Die erste Hälfte stammt vom Mockel und nach seinem Ausstieg komponierten wir mit Gesuz das Stück zu Ende. So kann bei manchen Leuten der Eindruck entstehen, daß dieses Stück aus zwei getrennten Teilen besteht. Es hat auch die längste Entstehungsphase hinter sich. Was diesen Song zu einem typischen Song der neuen Kadath Musik macht, ist die Mischung aus groovigeren Passagen kombiniert mit Blastbeat-Teilen. Die gesamte Musik ist rauher und weniger melodisch geworden, vielleicht ein Tick amerikanischer, aber ohne jemals untypisch für Kadath zu sein. "False Confession" ist das 2. Kapitel eines Konzeptes über den Serienmörder Andrei Chikatilo der in den 80. Jahren in Ukraine gewütet hat. Hier geht es speziell um ein falsches Geständnis, das zur Folge hatte, daß der falsche Mann verurteilt und Chikatilo wieder in Freiheit gesetzt wurde.

30. Welche Themen schneidet Ihr in Euren Texten an? Warum singt Ihr lieber darüber als über irgend etwas anderes? Welche Grundaussagen sind für Euch maßgeblich?

Marc: wie schon oben erwähnt, ist "Chasing the Devil" ein Konzeptanlum über einen Serienmörder geworden. Die gesamten Texte stammen von mir und da ich schon seit Jahren mich für das Thema interessiere, wollte ich ein Konzept machen über einen bestimmten Mörder. Und da habe ich mich lieber für Chikatilo entschieden als für einen amerikanischen Mörder, wie zum Beispiel MACABRE mit Jeffrey Dahmer. Eine Aussage oder Botschaft gibt es bei uns nicht! Für die nächste CD, werde ich wieder ein Konzept schreiben, aber ein ganz anderes Thema dafür auswählen.

31. Warum brachtet Ihr das Teil zunächst als reines Promo 2001 heraus, welches nur an Labels verschickt wurde? Gab es seitens der werten Plattenfirmen diesmal stärkere Reaktionen als ein zögerliches auf die Schulter klopfen?

Marc: da wir mit Teutonic Existence nur einen Deal für eine Platte hatten, mußten wir uns wieder auf die Suche nach einer neuen Firma machen. Daher die Promo-Aktion. Die Reaktionen waren wie 3 Jahre zuvor genau so zögerlich, und nur Jens von CUDGEL und Kees von TEUTONIC waren bereit mit uns zu arbeiten. Diesmal entschieden wir uns für CUDGEL, da dieses Label das grössere Potential besitzt. Mit den Reaktionen, Ich denke das liegt daran, daß keiner mehr an uns geglaubt hat nach 3 Jahren Abstinenz.

32. Aus wie viel Angeboten wähltet Ihr das von CUDGEL AGENCY aus und warum? Hättet Ihr gerne bei einem größeren Label unterschrieben? Seid Ihr mit dem bisherigen Werdegang zufrieden?

Marc: wie gesagt, CUDGEL und TEUTONIC waren die einzigen Label die uns ein Angebot offerierten. Ein grösseres Label mag zwar auf den ersten Blick verlockend sein, aber ich glaube CUDGEL ist genau das richtige Label für uns. Mit dem gesamten Werdegang von KADATH sind wir bestimmt nicht zufrieden, wenn man alle Schwierigkeiten bedenkt mit denen wir zu kämpfen hatten. Aber mit dem neuen Deal sind wir hochzufrieden, ja endlich geht es mal aufwärts nach so vielen Jahren Stagnation und Fall.

33. Hätte man nicht das Material noch einmal in einem besseren Studio aufnehmen sollen, als sich mit der Produktion des Siegburger GERNHART Rec. Studio abzufinden? Oder seid Ihr der Meinung, der Sound ist kraftvoll genug, um die Songs adäquat rüber zu bringen? (Ich finde die "Cruel!" von Andy Classen besser produziert, was doch für die neue Scheibe ein Minus darstellt, leider!)

Marc: die Wahl des Gernhart Studios war eine Notlösung, da der Termin bei Andy Classen geplatzt war. Aber im Nachhinein sind wir mit dem Resultat mehr als zufrieden. Kai und Martin von Gernhart haben super Arbeit geleistet. Ich bin nicht der Meinung, daß "Chasing" schlechter produziert ist als "Cruel!". Im Gegenteil, "Chasing" ist rauher und brachialer geworden als die vorherige CD. Genauso wollten wir es haben! Für die nächste CD, werden wir uns wieder in Siegburg einbunkern.

34. Warum kehrte eigentlich Mockel nach 1 1/2 Jahren Bandabstinenz wieder zu Euch zurück? Habt Ihr ihn mit offenen Armen empfangen oder ward Ihr doch erst mal ein wenig skeptisch? Wie schätzt Ihr die Zukunnft Eures aktuellen Line-ups ein?

Marc: eines Tages bekam ich eine SMS von Mockel, daß er wieder in die Band einsteigen wolle. Da war ich überrascht. Seine Probleme waren in der Zwischenzeit gelöst, so daß er wieder die nötige Motivation hatte Musik zu machen. Es ist ja nicht so daß er damals aufhören wollte, es ging einfach nicht mehr. Etwas skeptisch waren wir schon, aber nach einem Gespräch mit ihm, war klar daß Mockel wieder 100%-ig mitmachen wollte. Also war die Sache geregelt. Mittlerweile kämpfen wir an einer anderen Front: der Schlagzeuger. Erling wird wohl bis Ende des Jahres seinen Dienst quittieren, da er mehr Zeit für sein Privatleben haben möchte, und wir mehr in die Band investieren wollen. Noch haben wir keinen neuen Mann für seinen Posten. Also wer denkt, er könnte der geeignete Drummer für uns sein, kann sich gerne bei mir melden.

Danke für eure Unterstützung

Grind till Death

Marc

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