Interviews

Interviews

Interviews

Der Teufel kam aus Rostov

Die aus dem Aachener Raum stammenden Death-Metaller KADATH sind alles andere als Newcomer in der heimischen Szene. Allerdings konnten sie trotz diverser Veröffentlichungen auch noch nicht so richtig auf sich aufmerksam machen. Vielleicht gelingt ihnen das ja mit ihrem aktuellen Album "Chasing The Devil", das durchweg gut ausgeführten Death Metal der brutaleren Sorte auftischt.

"Angefangen haben KADATH 1992 noch unter dem Namen Catalepsy«, startet Basser Marc Leclerc einen kurzen Exkurs in die bisherige Bandgeschichte. »Ich selbst war damals noch nicht dabei. Es folgte gleich eine neunmonatige Zwangspause, weil der damalige Drummer krank wurde und schließlich in die Psychiatrie eingeliefert werden musste. Danach ging es mit neuem Schlagzeuger unter dem Namen KADATH weiter. Es folgten zwei Demos und schließlich 1997 die Mini-CD "Twisted Tales Of Gruesome Fates". Ein Jahr später gingen wir erneut ins Studio, um mit Hilfe von Andy Classen unser erstes Album "Cruel" aufzunehmen, das dann Anfang 99 bei Teutonic Invasion erschien.«

Auf die musikalischen Einflüsse seiner Band angesprochen, tut sich Marc, der ursprünglich aus Belgien stammt und am Telefon verblüffenderweise wie ein Stimmdouble von unserem Boris klingt, etwas schwer.

»Wir hatten schon immer Schwierigkeiten, uns da auf bestimmte Namen festzulegen. Wenn überhaupt, dann vielleicht Kataklysm. Denn als wir damals ‚Cruel" aufgenommen haben, versuchten wir, Melodien in unseren Sound einzustreuen. Ganz in der Art, wie es Kataklysm damals auch getan haben. Ansonsten kann man auch noch ein paar ältere Bands wie Cannibal Corpse und in geringerem Maße vielleicht noch Bolt Thrower und Morbid Angel nennen. Viele Leute sehen uns einfach als Old-School-Death-Metal Combo. Das geht schon in Ordnung, auch wenn wir unsere Songs nicht bewusst in dieser Art schreiben.«

"Chasing The Devil" ist ein Konzeptalbum, daß das Leben des auch als "Teufel von Rostov" bekannten ukrainischen Serienkillers Andrej Chikatilo nachzeichnet.

»Ich lese jetzt schon seit etwa zehn Jahren Bücher über Serienkiller und Massenmörder. Irgendwann fiel mir dann auch mal ein Buch über Chikatilo in die Hände. Später sah ich auch noch den ebenfalls von Chikatilos Leben handelnden Film "Citizen X". Da ich schon immer mal die Story für ein Konzeptalbum verfassen wollte, schrieb ich eben über mein Lieblingsthema Serienkiller. Wobei klar war, dass es kein amerikanischer Verbrecher sein sollte, da dann sofort die Vergleiche zu Macabre gekommen wären. Also entschied ich mich für Tschikatilo, der über 50 Morde begangen hat. Wobei ich im Gegensatz zu Macabre, deren Texte ja eher ironischer Natur sind, das Ganze etwas ernsthafter gestaltet und in Form eines Lebenslaufs zu Papier gebracht habe. Beginnend mit seinem ersten Mord und endend mit seinem Tod im Gefängnis.«

Der Name Macabre ist ja bereits gefallen. Und auch andere Death Metal-Combos greifen immer wieder die Serienkiller-Thematik auf. Was ist so verdammt faszinierend an diesen kranken Typen?

»Serienkiller sind eine der extremsten Ausgeburten unserer modernen Welt. Quasi die höchstmögliche Stufe einer pervertierten Gesellschaft, in der trotz hochmoderner Technologie offenbar doch nicht alles so in Ordnung ist, wie man uns gerne glauben macht. Psychologisch gesehen ist es ohnehin unfassbar, wie ein Mensch überhaupt dazu kommt, solche Morde zu begehen, und irgendwann an einen Punkt gelangt, an dem er nicht einmal mehr etwas dabei empfindet. Gerade dieser psychologische Aspekt fasziniert mich.«

Das Album selbst besteht lediglich aus sechs Songs. Verdammt wenig, wenn man bedenkt, dass seit "Cruel" volle drei Jahre vergangen sind. Extrem lahme Songschreiber, oder was?

»Die Schnellsten sind wir wohl wirklich nicht. Es kommt schon mal vor, dass wir für einen einzigen Song drei Monate brauchen. Wir werden es wohl nie so wie andere Bands schaffen, innerhalb von acht Wochen ein komplettes Album zu komponieren.«

ANDREAS STAPPERT

<== back